Portrait Rainer Hübner
Sein Motto: „Faszination Englische Schecken“ Das Züchterportrait Rainer Hübner
„Faszination Englische Schecken“, so bezeichnet Rainer Hübner aus Zell im Fichtelgebirge seine züchterische Tätigkeit in der Rassekaninchenzucht. Seit 18 Jahren hält er dieser schönen Rasse die Treue, und die Erfolge mit seinen Tieren bestätigen ihm, dass er damals mit seinen Englischen Schecken blau-weiß die richtige Wahl unter den vielen Kaninchenrassen getroffen hat.

Der heute 39-jährige Textilmaschinenmechaniker begann 1983 in der Jugendgruppe des KZV B 1052 Zell seine Laufbahn als Rassekaninchenzüchter.Schon damals musste er als Jugendlicher im Alter von 13 Jahren seine Tiere der Rasse Kleinsilber schwarz selbständig versorgen. Sein Großvater, der zu dieser Zeit einige Englische Schecken mehr zur Fleischgewinnung hatte, beaufsichtigte zwar das Geschehen, aber Rainer war für seine Tiere selbst verantwortlich. Unterstützt wurde er vom damaligen Zuchtwart des Vereins, Otto Köhler. Er brachte ihm in all den Jahren das Einmaleins der Kaninchenzucht bei und dafür ist er dem heute 83-jährigen Zuchtfreund immer noch dankbar.
Aber nicht nur Rainer ging in die Schule dieses Lehrmeisters der Kaninchenzucht, auch der Verfasser dieses Portraits und etliche heute noch immer aktive Züchter, haben durch ihn die Rassekaninchenzucht als Hobby und ideale Freizeitgestaltung gefunden und einen Teil ihres Fachwissens erworben. Rainer Hübner wurde langsam und behutsam von den verantwortlichen Funktionären des KZV Zell aufgebaut. Bereits als 17-Jähriger erlernte er das Tätowieren von Kaninchen und war 10 Jahre Tätowiermeister. 3 Jahre übte er das Amt des Zuchtwarts aus und war somit auch Nachfolger seines Lehrmeisters Otto Köhler.
Nach 2 Jahren als 2.Vorsitzender übernahm er, als man 1999 einen neuen 1. Vorsitzenden brauchte, dieses verantwortungsvolle Amt, das er nun seit 11 Jahren ausübt. Als eine große Aufgabe bezeichnete der 1. Vorsitzende mit Stolz die Durchführung des 75-jährigen Bestehens seines Vereins 2009, das er mit seiner Vorstandschaft organisierte und in großem Rahmen mit vielen Mitgliedern, Gönnern, Freunden und Gästen feiern durfte. Auch als Ausstellungsleiter verschiedener Schauen war der sehr aktive Funktionär bereits verantwortlich. Im Kreisverein Münchberg war er 9 Jahre lang Zuchtwart.
Durch sein großes Fachwissen, das er auch anhand von Tierbesprechungen weitergab, brachte er sogar oft erfahrene, langjährige Züchter zu höchster Aufmerksamkeit bei seinen Schulungen. Seit 18 Jahren ist er Mitglied im Englischen Scheckenclub Bayern und hier etliche Jahre 2. Vorsitzender. Seine Zucht begann er mit Kleinsilber schwarz, die er 16 Jahre im Stall hatte. Da ihn das Erscheinungsbild und die Rassemerkmale der Englischen Schecken schon immer faszinierten, entschloss er sich 1992, diese Rasse im blauen Farbenschlag zu züchten. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat, auch anhand seiner großen Erfolge. Das Ausgangsmaterial bekam er von Otto Köhler, der schon immer größten Wert auf Gesundheit und Frohwüchsigkeit legte. Nun begann die Lehre als Englischer Scheckenzüchter, die er bis zum heutigen Tag mit tollen Erfolgen gekrönt hat, wie dreimal Deutscher Meister, zuletzt 2009 in Karlsruhe und dem Bundessieger, sowie mit einem hochbewerteten 98-Punkte-Tier bei der letzten Clubschau, und so ist er jetzt ein Meister seines Fachs geworden.

Die Auszeichnungen reichen vom Landesmeister, Bundes- und Klassensieger, Club- und 2. und 3. Rassemeister bei überregionalen Schauen und vielen Auszeichnungen bei anderen Ausstellungen. Zuchtgruppen mit 387,5 und 388 Punkten sind bei seinen Tieren keine Seltenheit. Der für ihn bisher schönste Erfolg war die Auszeichnung mit dem goldenen Ring bei der Bayerischen Landesclubschau 2000 in Münchberg. Als sehr ausstellungsfreudiger Züchter beschickt er viele Schauen mit seinen Tieren. Die Lokalschau hat aber für ihn immer oberste Priorität. Zu einer erfolgreichen Zucht gehört natürlich eine vorbildliche Stallanlage.

Bereits auf dem Weg zu dieser zeigt ein aus heimischem Granitstein angefertigtes Kaninchen, welches Hobby hier betrieben wird.

Die in Eigenleistung erstellte Innenstallanlage verfügt über 54 Buchten. Die Tiere werden ausschließlich auf Stroheinstreu gehalten. Auch an einen Vorratsraum zur Unterbringung von Futtervorräten wurde gedacht. Eine große Eingangstür mit einem Holzrahmen und einem Drahtgeflecht schließt die Innenstallanlage ab. Dann ist da noch das beheizbare „Züchterstüberl“ angebaut, in dem schon manche Sitzung und Feier abgehalten wurde und für Auszeichnungen von errungenen Erfolgen ist auch noch genügend Platz.
Die Versorgung seiner Tiere erfolgt in den Mittagsstunden. Dies wird durch die Schichtarbeit des Züchters gewährleistet. Gefüttert wird grundsätzlich einmal am Tag. Im Sommer gibt es ab Mitte Mai reichlich Grünfutter vom eigenen Grundstück, dazu täglich abwechselnd ein Gemisch, bestehend anteilig aus Gerste, Hafer, Weizen, Johannisbrot, Sonnenblumenkernen und getrockneter Petersilie. Am darauf folgenden Tag gibt es ausschließlich Peletts und Grünfutter. Im Winter wird das Grünfutter durch Rüben, Möhren, rohe und gekochte Kartoffeln, sowie viele Arten von Gemüse ersetzt. Heu und Wasser mit einer Zugabe von etwas Obstessig und einer kleinen Prise Salz steht den Tieren immer zur Verfügung. Die Zucht betreibt Rainer mit 3 Linien, die sich wie folgt zusammensetzen:
1. Verbesserung und Festigung von Form und Typ
2. Festigung der Rumpfzeichnungsschablone
3. Fell und Farbe
Es wird versucht, diese 3 Linien zu vereinigen in einer nahen Verwandtschaftszucht. Auf die Wurf- und Aufzuchtleistung mit möglichst vielen Zeichnungstieren legt der Züchter großen Wert. Auch einfarbige, blaue Häsinnen werden in der Zucht eingesetzt. „Die Verbesserung der Reinheit der blauen Farbe ist zur Zeit eine Herausforderung, die ich mir gestellt habe“, erklärte mir der fachkundige Züchter. Die Stellung der Tiere, sowie ein gewisser Größenrahmen, bei dem die Sportlichkeit auch noch sichtbar sein muss, sind immer wieder Kriterien, die zu einem gut gezeichneten Tier gehören. Die Standardauslegung bei seiner Rasse ist die Vorgabe für sein Zuchtziel und somit auch gut beschrieben. In der Position 2 wünscht er sich, dass der Typ besser von den Züchtern umgesetzt wird. In der Position Rumpfzeichnung ist es ihm wichtig, dass die seitliche Kettenzeichnung mehrreihig beginnen darf.
Beim Schaufertigmachen sollte ein gewisses Maß an Vernunft und Vertretbarem an den Tag gelegt werden. Da alle Tiere bis zu einer gewissen Schlachtreife aufgezogen werden, tummeln sich oft übers Jahr verteilt 60-80 Tiere in der Stallanlage. Ab Mitte Oktober sitzen dann meist nur noch die Zucht- und Ausstellungstiere in den Buchten. Diese werden natürlich bestens gepflegt und auf die Schausaison vorbereitet.
Dann sind die Tiere von Rainer Hübner natürlich bei Zuchtfreunden der gleichen Rasse sehr gefragt im In- und Ausland, und manches Spitzentier wechselt nach der Schau den Besitzer.
Ein sehr freundschaftliches Verhältnis hat er zu seinen Vereins- und Clubkollegen vom Englischen Scheckenclub Bayern. In seinem näheren Umfeld sind dies so bekannte Züchter, wie Rudolf Greim aus Münchberg und Manfred Käppel aus Sparneck, mit denen er besten Tier- und Erfahrungsaustausch pflegt.
Auch zu der in Fachkreisesn sehr bekannten Zuchtgemeinschaft Marquardt aus Nützen in Schleswig-Holstein hat er seit einigen Jahren guten Kontakt. In 27 Jahren züchterischer und Funktionärsarbeit blieben auch einige Ehrungen nicht aus. So wurde er bereits seitens der Jugend, des Landesverbands Bayern und des Englischen Scheckenclubs Bayern mit einigen Ehrungen ausgezeichnet. Für weitere Hobbys bleibt neben der Kaninchenzucht nicht viel Zeit, dennoch ist Rainer ein passionierter Kartenspieler und den „Schafkopf“ spielt er besonders gerne. Auch die Teichanlage gleich neben seinem Haus, gilt es zu pflegen, und einen appetitlich hergerichteten Fisch lässt er sich gut schmecken. Dass Rainer ein Züchter mit Leib und Seele ist, beweist das Nummernschild an seinem Auto, versehen mit seinem Vereinstattoo B 1052 (HO-ZB 1052).

In die Zukunft schauend, wünscht sich dieser erfolgreiche und sympathische Züchter, dass die Idealisten und Züchter einen guten, freundschaftlichen und respektvollen Umgang bei allen Veranstaltungen pflegen. Dass er einen gesunden und resistenten Stamm aufbauen und gesunde Jungtiere aufziehen kann. Sein Grundsatz heißt: Schönheit und Leistung verbinden und das Erhalten, was die Züchtergeneration vor uns aufgebaut hat, und wir der nachfolgenden Generation weitergeben müssen.
Gerhard Lutter
( Dieser Artikel erschien in der Kaninchenzeitung Ausgabe 13/2010 )
